Hörsaal 3D geräumt und Dialog vorerst gescheitert – Bildungsstreik im Rückblick
So heiß war der Herbst in Punkto Bildungsproteste schon lange nicht mehr an der Heinrich-Heine-Universität (HHU). Nach einer Woche Hörsaalbesetzung, Räumung, Dialogversuchen mit dem Rektorat und mehreren Folgeaktionen bleibt uns nun, zu Beginn der Winterferien, einen kurzen Rückblick zu wagen.
Es war für viele BesetzerInnen und StudentInnen sicherlich ein Wendepunkt der Proteste an der HHU, das Gespräch mit Uni-Rektor Hans Michael Piper im Besetzten Hörsaal 3D. 700 StudentInnen kam in der völlig überfüllten Hörsaal. Sie erlebten einen Rektor, der deutlich machte, dass er nicht bereit ist, grundlegende Veränderungen einzuleiten. Er heuchelte ein wenig Verständnis, Argumentierte mit Sachzwängen und schob den Schwarzen Peter zurück an die Politik. Beim Thema Räumung wurde Piper allerdings konkret. Der Unmut der StudentInnen war Piper mit diesem Auftritt gewiss.
Dass Rektor Piper „ein anderes Verständnis von Demokratie“ hat, daran ließ er keinen Zweifel. Am 25. November war es soweit. Der seit einer Woche besetzte Hörsaal 3D der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wurde von einer Hundertschaft der Polizei, auf Anordnung von Rektor Piper, geräumt. 50 BesetzerInnen wurden aus dem Hörsaal getragen. Empfangen wurden das Rektorat und die Polizei mit 1500 Luftballons, Luftschlangen und Konfetti.
Was nun?
Auch wenn viele BesetzerInnen nach einer kräftezehrenden Woche kurz verschnaufen mussten, war der Protest mit der Räumung nicht beendet. Weiterhin eigneten sich die AktivistInnen sich Räume an der Uni an. Eine Campus-Demo zog von der Heine-Statur in die Mensa und konnte mit einer Kundgebung von der Zwischenetage aus hunderte StudentInnen und Beschäftigte erreichen. Dabei war die weitere Ausrichtung des Protest zunächst nicht klar. Eine Wiederbesetzung, wie von einigen gefordert, wurde wieder verworfen. Statt dessen hat sich eine Orientierung auf kurzzeitige Aneignungen mit alternativen Seminaren und Vorträgen durchgesetzt. Damit wurden den Problemen der Aktionsform Besetzung Rechnung getragen. Der großer Kräfteverschleiß und die Isolierung vom Campus waren hier besonders ausschlaggebend. Nicht Selbstzweck, sondern politische und organisatorisch Weiterentwicklung bei gleichzeitiger Offenheit für jene, die bisher noch nicht Teil des Protests waren, sollte nun das Handeln bestimmen.
Gemeinsamer überregionaler Höhepunkt war dann noch die Demonstration gegen die Kultusministerkonferenz (KMK) am 10. Dezember in Bonn, an dem auch einige AktivistInnen aus Düsseldorf teilnahmen.
Schlossgespräche
Hoch offiziell, aber unter Ausschluss von Presse und Öffentlichkeit, lud das Rektorat Mitglieder von Studierendenparlament, universitären Gremien, AStA und Fachschaften auf Schloss Mickeln ein, um über die Studienbedingungen zu reden. Gefolgt waren der Einladung rund 30 StudentInnen. Der Rektor und sein Prorektor für „Lehre und Studienqualität“ Ulrich von Alemann hielten einen Vortrag, die StudentInnen durften Fragen stellen, aber keine eigenen Statements einbringen. Die BesetzerInnen hatten ein solches Gespräch abgelehnt. Auf dem Schloss fand kein Dialog, sondern der Versuch, statt, die StudentInnen zu beschwichtigen und aus Linie zu bringen. Und statt sich um die Verbesserung der Lehre zu kümmern, träumt Rektor Piper lieber von Exzellenzclustern in Medizin und Naturwissenschaften. Ein langjähriger Aktivist der Bildungsproteste, Carlos Cota Castro, hat die Veranstaltung nach fünf Minuten verlassen. Für konstruktive Gespräche sei man immer bereit. „Dialog ist jedoch nicht, wenn das Rektorat spricht und die Schäfchen nicken. Aus diesem Grund habe ich die Veranstaltung verlassen.”
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