Forschung für den Krieg in Düsseldorf

In einer Studie mit dem Titel Hochschulen forschen für den Krieg, die die Informationsstelle Militarisierung e.V. im April veröffentlichte, durchleuchtet Sarah Nagel die verschiedenen Verbindungen von Hochschulen mit der Bundeswehr.

Besonders im Bereich der Forschung, aber auch in der Lehre gibt es schon seit Jahren eine enge Zusammenarbeit. Viele dieser Forschungsprojekte sind jedoch auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen und in den meisten Fällen sind sie an den Hochschulen wenig bekannt. Informationen und Ausmaß dieser Zusammenarbeiten sind erst durch eine Kleine Anfrage im Bundestag bekannt geworden. Die Bundesregierung hat sie zum Zeitraum 2000 bis 2008 geäußert. Für einen früheren Zeitraum lägen keine Zahlen vor. Das Finanzvolumen für das Jahr 2008 lag bei 1,1 Milliarden Euro, eine Zahl, die die Bedeutung der Forschung für die Bundeswehr offenkundig erscheinen lässt.

Neben Baden-Württemberg ist NRW das Bundesland, indem die meiste Kriegsforschung stattfindet. Zu glauben, es ginge nur um die Entwicklung von Waffensystemen oder neuer Technologien, die im Einsatz von hochtechnisierten Armeen benötigt werden, greift deutlich zu kurz. Im Bereich der Sozialwissenschaften sind Arbeiten zum Sicherheitsdiskurs und Sicherheitskonzepten, zur Entwicklung neuer Konzepte im Bereich der zivil-militärischen Zusammenarbeit, oder die Analyse gesellschaftlicher Dynamiken für die moderne Kriegsführung unerlässlich. Ein traditioneller Forschungszweig, die Wehrmedizin, hat ebenfalls Hochkonjunktur. Die Bundeswehr ist eine Armee im Kriegseinsatz und muss sich auch mit den Folgen der Kriegsführung für den Menschen auseinandersetzen. Die Debatte um die Traumatisierung von Soldaten ist in der Öffentlichkeit immer wieder präsent. Doch auch die alltägliche Belastung von Soldaten im Umgang mit ihrem Kriegsgerät ist für die Bundeswehr wichtig. An der Heinrich-Heine-Universität wurde in diesem Bereich geforscht. Der Untersuchungsgegenstand war die “Extraaurale Wirkung von tieffrequentem Schall/Infraschall auf Bedienstete im Bereich des Bundesministeriums der Verteidigung”. Dahinter verbirgt sich offenbar die Auswirkung von Fluglärm auf Soldaten und Beamte der Bundeswehr.

Diese Forschungsprojekte, auch jene, die sich mit den Auswirkungen von Kriegseinsätzen beschäftigen, dienen unmittelbar der Kriegspolitik der Bundesregierung. Sie ermöglichen es der Bundeswehr, in immer größerem Umfang ihr blutiges Handwerk zu verrichten. Eine Tatsache, die mit einem humanistischen Bild von Forschung und Lehre im Interesse der Menschheit nicht vereinbar ist. Eine konsequente antimilitaristische Politik darf diesen Bereich nicht außer Acht lassen. An einigen Hochschulen formiert sich bereits Widerstand gegen die Forschung im Auftrag der Bundeswehr. Auch in Düsseldorf gilt es, die Machenschaften der Kriegstreiber in allen gesellschaftlichen Bereichen aufzudecken.

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