Am Mittwoch, den 25. November, gegen 9 Uhr morgens war es soweit. Der seit einer Woche besetzte Hörsaal 3D der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wurde von einer Hundertschaft der Polizei, auf Anordnung von Rektor Piper, geräumt. 50 BesetzerInnen wurden aus dem Hörsaal getragen. Empfangen wurden das Rektorat und die Polizei mit 1500 Luftballons, Luftschlangen und Konfetti. Die Hörsaalbesetzung wurde beendet, der Protest geht jedoch gerade erst los.
Der Hörsaal war so voll wie nie, als Rektor Piper mit seinem persönlichen Referenten Laux und seinen Prorektoren Schmitt und Pfeffer am Montag, um 13 Uhr, zum Gespräch mit den BesetzerInnen kam. 700 Studierende waren gekommen und nicht alle fanden einen Platz. Zuvor hatten die BesetzerInnen einem vorgezogenen Gesprächstermin in kleinem Kreis am Vormittag eine Absage erteilt. Nicht hinter verschlossenen Türen, sondern in aller Öffentlichkeit sollten die Forderungen an Politik und Rektorat diskutiert werden. Das Ergebnis des Gesprächs war allerdings voraussehbar. Konkrete Zusagen blieben aus. Vielmehr heuchelte der Rektor Verständnis für die Proteste, verwies auf Sachzwänge, wie etwa beim Thema Studiengebühren und schob den „Schwarzen Peter“ an die Politik. Ein Ping-Pong-Spiel, dass wir schon seit Wochen in der Debatte um die Bildungsmisere beobachten können.
(Fast) Nichts als leere Worte
Nach etwas mehr als einer Stunde musste der Rektor das Gespräch abbrechen. Er habe noch wichtige Termine, begründete Piper diesen Schritt. Dass er dann aber noch die Zeit hatte vor dem Hörsaal diverse Interview zu geben, sorgte bei den Studierenden für Unmut. Blieb es von Seiten des Rektorats bei den inhaltlichen Fragen bei leeren Worten, wurde Piper allerdings konkret, als es um den Besetzungsstatus von 3D ging. Er kündigte an, dass am Mittwoch der Hörsaal wieder für den Lehrbetrieb zur Verfügung stehen werde und er dies auch durchsetzen werde. Seine Alternativangebote, wie etwa die Nutzung des Foyer, wurden mit Buhrufen und Pfiffen quittiert. Der Räumungstermin war damit gesetzt. Das Piper ein anderes Verständnis von Demokratie habe, wie er während der Diskussion verkündete, wurde durch seine Haltung offenbar. Die BesetzerInnen ließen sich davon allerdings nicht einschüchtern und machten sogleich deutlich, dass sie auf jeden Fall bleiben würden.
Der letzte Tag wurde dann auch nochmals mit abwechslungsreichem Programm gestaltet. Ein Vortrag zur Bewegung von 1968 regte zu lebhafte Diskussionen und Analysen an, die die gesellschaftliche Dimension des Bildungsstreiks in den Fokus rückten. Der Abend wurde mit einer Jam-Session im Rahmen von „Local Heroes“ abgerundet. So konnte der befreite Hörsaal nochmals die intellektuelle und kulturelle Selbstverwirklichung beflügeln.
Ein anderes Verständnis von Demokratie
Hatte die Besetzung von 3D von Anfang an einen Raum eröffnet, der Gelegenheit zu konstruktiven Diskussionen über die Probleme des Bildungssystems bot, so war es der Rektor, der der Konstruktivität ein Ende setzte. Die BesetzerInnen bereiten sich also darauf vor, dass die angedrohte Räumung vollzogen würden. Eine lange Nacht des Wartens und Bangens lag nun vor ihnen. Für viele war es dann auch überraschend, als statt der Polizei zunächst gegen 8 Uhr Rektor Piper mit einer Delegation erschien, ein letztes Ultimatum verkündete und nochmals mit vermeintlichen Alternativen aufwartete. Die BesetzerInnen verdeutlichten mit Konfetti und Luftschlangen, was sie von seiner Autorität halten. Die Vorlesung, die eigentlich um 8 Uhr beginnen sollte, musste dann aber ausfallen, da der Dozent sich weigerte, im besetzten Hörsaal sein Wissen zu verbreiten.
Dialog mit den Studierenden
Die MedizinstudentInnen, die zu Vorlesung gekommen waren, blieben in 3D und diskutierten fast eine Stunde lang mit den BesetzerInnen über die Probleme in ihrem Studiengang. Viel Zuspruch gab es für die Aktionen des Bildungsstreik. Einige beteuerten, dass sie gerne mitgemacht hätte, würden sie nicht von ihren Stundenplänen erdrückt werden. Sie blieben dann auch, bis die Polizei in Kampfanzügen im Hörsaal erschienen. Solche Dialoge sind ein Fundament für die Ausweitung der Proteste.
Wir bleiben hier
Die Stimmung war kämpferisch und entschlossen, als die Polizisten den Hörsaal betraten. „Wir bleiben hier“, schallte es ihnen entgegen. So mussten sie jedeN EinzelneN heraus tragen und durch die Luftballons waaten, die lautes Knallen als Geräuschkulisse verursachten. Vor dem Hörsaal hatten sich derweil viele UnterstützerInnen eingefunden, die die BesetzerInnen lautstark empfingen. Die Anwesenheit des Rektors wurde mit „Piper raus!“-Rufen quittiert. Ein Besetzter hatte sich sogar auf die Seitenverkleidung des Hörsaals zurück gezogen.
Die Räumung war jedoch in keiner Weise eine Niederlage für die BesetzerInnen von 3D. Sie haben deutlich ihre Entschlossenheit unterstrichen, auch weiterhin für ein solidarisches und soziales Bildungssystem einzutreten. Am Donnerstag Abend fanden sich dann auch alle wieder zusammen, StudentenInnen von Uni und FH und einige SchülerInnen, um die nächsten Schritte zu planen und Organisierungsprozesse einzuleiten. Der Anfang ist gemacht, nun müssen die Proteste wieder auf die Straße getragen werden. So hieß es bei der Räumung: „Heute ist nicht aller Tage, wir kommen wieder, keine Frage!“
Weiterhin sind Infos und Termine unter www.duesseldorf-brennt.blog.de zu finden.
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