Wer wir sind
Wir sind „Kritik und Aktion: Linke Gruppe“, ein Zusammenschluss von StudentInnen aus dem Spektrum der undogmatischen Linken. Das bedeutet, dass wir, im Gegensatz zu Jusos, LHG und RCDS, nicht an eine Partei gebunden sind. Uns ist es wichtig, eine unabhängige Hochschulpolitik zu organisieren, die nicht als Profilierungsplattform herhalten muss. Eine unabhängige Interessenvertretung kann nur in Abgrenzung zu jenen Parteien gestaltet werden, die für Studiengebühren und neoliberalen Hochschulumbau verantwortlich sind.
Was wir tun
Wir sind in vielen Bereichen der studentischen Selbstverwaltung aktiv: in Fachschaften, AStA-Referaten und im Studierendenparlament. Unser Schwerpunkt liegt zwar an der Heine-Uni, aber unser Engagement geht darüber hinaus. Wir haben viele verschiedene Aktionen, etwa gegen Nazis sowie gegen Krieg und Militarismus, mitorganisiert und uns an sozialen Kämpfen beteiligt. Jeden Monat ermöglichen wir vielen Menschen in Düsseldorf mit unser Seite in der Stattzeitung Terz (www.terz.org) einen Einblick in die Konflikte, Missstände und Auseinandersetzungen an der Heine-Uni.
Was uns stört
Dass in der Bildungspolitik vieles im Argen liegt, erleben wir alle jeden Tag.
Wer sich das Studium überhaupt noch leisten kann, wird in starre Stundenpläne gezwängt und muss sich mit einer Vielzahl vollkommen sinnentleerter Prüfungen herumschlagen. Das System Hochschule ist geprägt von sozialer Ausgrenzung, Verschulung und Disziplinierung. Nicht die Bildung steht im Vordergrund. Die StudentInnen sollen für die Wirtschaft verwertbar sein. Im Studierendenalltag macht sich diese Zielsetzung durch verschulte Bachelor/Master-Studiengänge, Anwesenheitspflicht, Beteiligungsnachweise und Prüfungen am laufenden Band bemerkbar.
Auswendiglernen anstelle von Transferleistung. Seit dem Hochschul(un-)freiheitsgesetz werden die Unis von Aufsichtsräten, auch Hochschulräte genannt, geleitet, die eine studentische Mitbestimmung ausschließen. Die Entdemokratisierung von Entscheidungen, die unmittelbar die Studierenden betreffen, ist die Folge. Über den Zwang zur Drittmittelfinanzierung gewinnt die Wirtschaft immer mehr Einfluss auch auf die Lehre und Forschung.
Unsere Kritik beschränkt sich aber nicht nur auf die Studienbedingungen. Schon an den Hochschulen sind die Interessen der StudentInnen eng mit denen der Beschäftigten verknüpft. Viele Lehrende sind prekär Beschäftigte, die mit schlecht bezahlten, befristeten Arbeitsverträgen oder gar umsonst unsere Lehre gestalten sollen. Uns erwarten die gleichen miesen Arbeitsbedingungen nach unserem Studium. Der Mittelbau muss sich in einem permanenten System von Existenzbedrohung und Konkurrenzkampf behaupten. Und selbst die ProfessorInnenschaft muss erkennen, dass der Wettstreit um Drittmittel jede unabhängige Forschung konterkariert. Wir fordern alle universitär Beschäftigen auf, sich unserem Kampf anzuschließen!
Was wir dagegen machen
Das Thema Nr. 1 in der Hochschulpolitik in diesen Tagen ist eindeutig der Bildungsstreik. In dieser Woche wollen wir zusammen mit Euch unseren Protest gegen die unhaltbaren Zustände im Bildungssystem auf der Straße sichtbar machen. Zusammen mit SchülerInnen, StudentInnen, GewerkschafterInnen und vielen weiteren gesellschaftlichen Gruppen werden wir ein Zeichen setzen und deutlich machen, dass es uns reicht unter miesen und unsozialen Verhältnissen unser Studium bestreiten zu müssen. In vielen Städten, wie auch hier in Düsseldorf, haben sich Bündnisse gebildet um den Bildungsblockaden die Stirn zu bieten und sie einzureißen – mit Demonstrationen und Aktionen des Zivilen Ungehorsams. Bildungsblockaden setzen wir Straßenblockaden entgegen!
Bildung ist keine Ware, sondern ein Grundrecht! Und das wollen wir uns zurückholen.
Uns reicht es natürlich nicht nur die Verhältnisse zu beklagen. Wir wollen konkret in unserem Umfeld, an der Uni, anfangen etwas zu verändern. Das heißt für uns, mitdenken, nachdenken, Kritik äußern wo sie angebracht ist und konstruktive Vorschläge zur Verbesserung einbringen, wo es möglich ist.
Vom Bildungsstreik zum Generalstreik
Es reicht uns auch nicht, nur für ein besseres Bildungssystem einzutreten. Der Kampf gegen die Bildungsmisere muss in den Kontext der sozialen Kämpfe gestellt und mit ihnen verknüpft werden. Der neoliberale Umbau der Hochschule war und ist nur eine Facette des neoliberalen Umbaus der Gesellschaft. Präkarisierung, der massive Abbau von ArbeitnehmerInnenrechten, Disziplinierung und Kontrolle sind allgegenwärtig; überall hört man die Forderungen: „Flexibel sein“ „Eigenverantwortung“, „den Gürtel enger schnallen“. Das Privileg zu studieren ist schon lange keine Garantie mehr für ein sorgloses Leben. Unbezahlte Praktika, immer mehr arbeiten für immer weniger Geld, oftmals ohne soziale Absicherung und Perspektive, ist Realität vieler AkademikerInnen. In den Mühlen von Hartz IV, am Existenzminimum, permanenter Schikane und Ausgrenzung aus der gesellschaftlichen Teilhabe ausgesetzt, wird das letzte Selbstwertgefühl vernichtet. Der Glaube an den Universitäten, dass dies nichts mit „uns“ zu tun habe, ist längst verflogen.
Unter dieser Prämisse kann die Krise der Weltwirtschaft auch als Chance gesehen werden. Als Chance, uns zu vernetzen und die Perspektive unserer Kämpfe auszuweiten. Für diese Vernetzung ist der Bildungsstreik ein Anfang. Doch dies kann uns nur gelingen, wenn wir mit anderen gesellschaftlichen Gruppen zusammenarbeiten. Dem Kapitalismus der Krise gilt es die Perspektive einer anderen Gesellschaft entgegen zusetzen. Und das kein Geld da sei, glaubt seit den Milliarden für Banken, Abwrackprämien, Opel und wie sie alle heißen nun wirklich keineR mehr.
Was wir wollen
Wir sind nicht immer nur dagegen. Wir wollen ein Bildungssystem, das eine unabhängige Lehre und Forschung in den Fokus setzt. Wir wollen die größtmögliche individuelle Gestaltungsfreiheit im Studium, ohne Disziplinierung durch Prüfungen und Anwesenheitspflicht. Wir wollen ein Studium, das eigenständiges und kritisches Denken fördert. Für uns ist Bildung ein eigenständiger Wert, kein Mittel zur qualifizierteren Verwertbarkeit.
Bildungspolitik – Um das große Ganze zu verändern, wollen wir im Kleinen anfangen. Wir setzen uns für die Abschaffung von Disziplinierungsmechanismen wie Anwesenheitspflicht und Beteiligungsnachweise ein um an deren Stelle wieder Freiraum für selbstständige Bildung zu setzen. Wir machen uns für die Abschaffung von Hürden im Hochschulzugang stark; neben Studiengebühren zählen wir dazu auch NCs und auf die Regelstudienzeit begrenzte Förderungen (Bafög) und Studienkredite.
Informationelle Selbstbestimmung – Zugegeben, auf Druck von Studierendenseite hin hat sich einiges an der Lage im HIS/LSF verbessert. Aber das reicht uns noch lange nicht aus. Noch immer sind DozentInnen besser über die erbrachten Leistungen und belegten Seminare ihrer Studierenden informiert als diese selbst. Noch immer bieten sich ausreichend Möglichkeiten, mittels elektronischer Verbindungen Studierende zu positiver Evaluation einer Lehrveranstaltung unter Androhung des Verlusts ihres Scheines zu bewegen.
Antifaschismus und Antidiskriminierung – Rassismus, Nationalismus und Diskriminierung sind auch an der Heine-Uni alltäglich. Wir organisieren die Gegenwehr gegen diese unhaltbaren Zustände, indem wir auf sie aufmerksam machen und dagegen protestieren.
Feminismus und Antisexismus – Die Gleichberechtigung von Frauen ist in der Universität genauso wie im Rest der Gesellschaft noch fern ihrer Verwirklichung. Wir engagieren uns gegen die alltägliche sexistische Diskriminierung, sei es auf Werbeplakaten oder in Vorlesungen. Ebenso wenden wir uns gegen Homophobie und die Diskriminierung aller, die nicht den gängigen Geschlechtervorstellungen entsprechen.
Antimilitarismus – Krieg und Militarismus sind auch an der Heine-Uni präsent. Sei es offen, wie der von uns verhinderte Werbeauftritt des Rüstungskonzerns Rheinmetall oder der Besuch des Kriesgsministers, oder weniger offensichtlich, wie durch den Think-Tank „Düsseldorfer Institut für Außen- und Sicherheitspolitik“ (DIAS) und die Kriegsforschung an der Medizinischen Fakultät. Wir machen uns für eine friedliche Welt stark und fangen an der Uni damit an.
Ökologie – Der Klimawandel hat uns allen die Notwendigkeit eines ökologischen Engagements mehr als deutlich vor Augen geführt. Darum setzen wir uns für eine „grüne“ Uni ein, die eine ökologische Energiepolitik verfolgt, unnötige Ressourcenverschwendung vermeidet und durch die verbesserte Anbindung an den ÖPNV auch umweltschonend schnell zu erreichen ist.
Unkommerzielles Campus- und Sport-Programm – Ein unkommerzielles und kostenloses Kultur- und Sport-Programm schafft einen Gegenpol zum Mainstream-Angebot. Wir setzen uns dafür ein, dass es auch in Zukunft ein vielfältiges Angebot und viel Raum zur Selbstverwirklichung gibt. Vor allem das Sportangebot, an vielen Hochschulen schon privatisiert, muss in Händen des AStA bleiben.
Für einen linken AStA – Für Solidarität und freie Bildung!
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